Die Pflanze des Jahres

Der Kümmel



Der bei uns heimische Kümmel oder Wiesenkümmel ist eine zweijährige Pflanze, die aus einer spindelförmigen Pfahlwurzel einen aufrechten gefurchten und verästelten Stängel mit fein zerschlitzten (2- bis 3-fach gefiederten) Blättern entwickelt. Die Blütenstände sind Doppeldolden, die kleinen Einzelblüten sind meist weiß, seltener (im Gebirge) rötlich bis rot.

Die bekannten Kümmelfrüchte sind etwa 3 - 6 mm lang, dunkel, sichelförmig gebogen und gerippt. Kümmel blüht von April - Juni. Die kräftig aromatisch duftenden Früchte werden im Sommer braun. Zur Ernte werden die Dolden abgeschnitten und an einem luftigen Ort aufgehängt. Wenn sie ganz trocken sind spalten sich die beiden Teilfrüchte und lassen sich aus den trockenen Dolden leicht abrebeln.

Wilder Kümmel ist in Mitteleuropa seit Jahrtausenden heimisch, Kümmelsamen wurden bereits in neolithischen Pfahlbauten gefunden (auch wenn damit nicht bewiesen ist, dass er damals auch gegessen wurde), und seit der Römerzeit sind vielfältige kulinarische und medizinische Anwendungen überliefert, allerdings verwendeten die Mittelmeervölker der klassischen Antike nicht den Wiesenkümmel. Der dt. Name Kümmel geht vielmehr auf das lat. cuminum und das griech. kyminon [κμινον] zurück, womit aber der Römische oder der Kreuzkümmel (Cuminum cyminum L.) gemeint war. Die Früchte beider Arten sehen sehr ähnlich aus, schmecken aber völlig unterschiedlich. Beide machen schwerverdauliche Speisen wie Fleisch und Gemüse bekömmlicher. 

Kümmel ist das Gewürz, das vielen österreichischen Gerichten (Fleisch, Gemüse, (Roggen)-Brot) den charakteristischen Geschmack verleiht. Auf italienisch heißen die Früchte Comino tedesco, daher hat auch Comino, die kleinste der drei maltesischen Inseln ihren Namen von dem Gewürz, das dort schon seit Jahrhunderten wächst.

Kümmel pharmazeutisch betrachtet 

Lateinische Bezeichnung: Carum carvi L.

Volksnamen: Chümi, Feldkümmel, Kämen, Karbei, Karbensamen, Köm, Kümmich, Wiesenkümmel, Brotkümmel, Mattenkümmel.
Englisch: Caraway (friut, seed); französisch: Semences (Fruits) de carvi, Cumin de prés.

Stammpflanze: Carum carvi L. (Apiaceae, Doldenblütengewächse)

Verwendeter Pflanzenteil: Früchte (Carvi fructus).

Offizinell (im Arzneibuch): 
Carvi fructus: mind. 3,0 % ätherisches Öl.
Aetheroleum Carvi: 50,0-65,0 % (+)-Carvon.

Species carminativae (Windtreibender Tee): je 25 Teile Pfefferminzblatt, Kamillenblüte, Kalmuswurzel und Kümmel.
Aqua carminativa (Windwasser): hergestellt aus Kümmelöl, Kamillenöl, Zitronenöl, Fenchelöl und Pfefferminzöl.
Aqua carminativa regia (rotes od. königliches Windwasser): hergestellt aus Aqua carminativa, Spiritus aromaticus compositus und einem roten Farbstoff.


Inhaltsstoffe der Kümmelfrüchte: Ätherisches Öl: 3-7 %, Hauptbestandteile (+)-Carvon (40-66 %), Limonen (bis 50 %).
Fettes Öl: bis 20 %, hauptsächlich Triacylglyceride von Petroselinsäure, Ölsäure, Palmitin- und Stearinsäure.

Verwendung: 
1-2 g Kümmel werden unmittelbar vor Gebrauch gequetscht oder zerstoßen und mit kochendem Wasser übergossen. Bedeckt 10-15 min stehen lassen und dann abseihen. Der Tee soll gut warm schluckweise getrunken werden. Blähungen, krampfartige Magen- und Darmbeschwerden lassen sich auf diese Weise schnell beseitigen.

1 Teelöffel = etwa 3,5 g

PhytopharmakaAls Bestandteil von Magen- und Darmmitteln, in Form von alkoholischen Destillaten und Tropfen („Windwasser“) oft zusammen mit Anis, Koriander oder Fenchel. Kümmelzäpfchen für Babys können bei Blähungen rasch Erleichterung verschaffen.

Unerwünschte Wirkungen: Keine bekannt.

Indikationen:
Wissenschaftlich belegt:
Dyspeptische Beschwerden wie leichte, krampfartige Beschwerden im Magen-Darm-Trakt; bei Völlegefühl und Blähungen; zur Appetitanregung.
In der Volksmedizin wird Kümmel außerdem bei nervösen Herz-Magen-Beschwerden und als Mittel zur Förderung der Muttermilch (Galaktagogum) verwendet. Das ätherische Öl wird in Mundwässern zum Gurgeln und zu hautreizenden Einreibungen genutzt.

Empfohlene Dosierung:
Mittlere Tagesdosis: 1,5-6 g Droge, 3-6 Tropfen ätherisches Öl.
Berechnungsgrundlage: 3,75 g Droge (entspricht etwa 120 mg ätherischem Öl).

 

 

 

 

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